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Prävention braucht Zeit

Wer sich krank fühlt, geht zum Arzt. Wer gesund bleiben will, auch? Facharzt Dr. Daniel Krause über die Rolle des Hausarztes und die Vorteile spezialisierter Präventionsanbieter

Ultraschall, PREVENT, Check up

Herr Dr. Krause, ich fühle mich gesund. Warum sollte ich zur Vorsorge gehen?

Nicht jede Erkrankung äußert sich gleich in körperlichen Beschwerden. Selbst wenn Sie sich heute gesund fühlen, heißt das nicht, dass Sie wirklich gesund sind. Bei regelmäßigen Vorsorgen können Risiken wie erhöhte Blutzucker- oder Blutdruckwerte aufgedeckt und Krankheiten wie Bluthochdruck, Typ 2-Diabetes bis hin zu schweren Herz- oder Lungenerkrankungen verhindert werden. Auch Krebserkrankungen lassen sich durch regelmäßige Checks im besten Fall frühzeitig erkennen oder wie beim Darmkrebs ganz verhindern.

Was viele nicht wissen: Vorerkrankungen können über viele Jahre bestehen, ohne dass sie bemerkt werden. Sie können unseren Körper schädigen und schwächen. Kommt es dann zu einer zusätzlichen Belastung – beispielsweise durch eine Virusinfektion wie CoVID-19 –, führen Vorerkrankungen nicht selten zu einem schwereren Krankheitsverlauf und werden zum lebensbedrohlichen Faktor.

Führt mein Hausarzt Check-ups durch?

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Versicherten über 35 alle drei Jahre eine sogenannte „Gesundheitsuntersuchung“ (ehemals „Check up 35“) durch den Hausarzt. Damit sind gewisse Basisleistungen abgedeckt, auf die sich die Krankenkassen geeinigt haben. Eine Blutuntersuchung, bei der Nüchternzucker, Cholesterin- und Blutfettwerte bestimmt werden, und auch eine Urinanalyse zählen dazu. Der PREVENT-Check-up ist umfänglicher. Wir kontrollieren mehr als 40 Laborwerte und können Aussagen zur Schilddrüsen-, Leber- oder Nierenfunktion sowie zum Infekt-Parameter treffen. Das gibt uns ein wesentlich ausführlicheres Bild zum Gesundheitsstatus und zu möglichen gesundheitlichen Problemen.

Dr. Daniel Krause, Prevent

Die Aufgabe des Hausarztes liegt hauptsächlich in der Versorgung von kranken Patienten. Unser Ziel ist es, Krankheiten im besten Fall zu verhindern.

Dr. Daniel Krause

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologe und ärztlicher Leiter der ias PREVENT GmbH.

Wie möglichen Krebserkrankungen?

Ja, wir ziehen die Darmkrebsvorsorge vor, die Kassenpatienten regulär erst ab dem 50. Lebensjahr zusteht, oder den PSA-Test zum Ausschluss von Prostatakrebs, den Kassenpatienten als Vorsorgeleistung überhaupt nicht erhalten. Sie gehören bei uns zum umfänglichen Laborprogramm und tragen zur Krebsfrüherkennung bei.

Wenn mehr sinnvoll ist, warum bekomme ich diese Untersuchungen nicht beim Hausarzt?

Dies hat gesundheitspolitische und wirtschaftliche Gründe: Die Hauptaufgabe des Hausarztes in unserem Gesundheitssystem liegt nicht in der Prävention, sondern vorrangig in der Versorgung von kranken Patienten. Dafür ist er eine unverzichtbare, wertvolle und viel beschäftigte Ressource. Für die einfache Gesundheitsuntersuchung erhält ein Hausarzt gerade mal 36,68 Euro, Seh- und Hörtests oder eine Augeninnendruckmessung bekommt er nicht erstattet. Umfangreiche Ultraschalluntersuchungen, die bei uns Standard sind, wie die des Herzens und der Halsschlagader oder eine Spiroergometrie zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit, bekommt er ebenfalls nicht erstattet. Aber wie gesagt: Hausärzte sind nicht nur für die Prävention da, sondern auch für die Versorgung von Kranken. Manche Hausärzte (besonders auf dem Land) versorgen weit mehr als 50 Patienten täglich! Hier sind natürlich auch der Gesprächsdauer enge Grenzen gesetzt.

Wie viele Check-up-Teilnehmer betreuen Sie am Tag?

Wir haben die fast schon luxuriöse Situation, dass ein PREVENT-Arzt maximal drei Probanden durch den Check-up-Tag begleitet. So bleibt neben den Untersuchungen genug Zeit für eine ausführliche Anamnese und Beratung. Unser Ziel ist es, Krankheiten im besten Fall zu verhindern. Die Aufklärung des Probanden über persönliche Risiken und geeignete Wege einer gesundheitsfördernden Lebensgestaltung sind dabei zentrale Pfeiler. Ein solcher Ansatz ist im Versorgungsalltag einer normalen Hausarztpraxis leider kaum möglich.

Dieses Interview ist in dem ias-Kundenmagazin impulse erschienen, das Sie als ePaper abonnieren können.

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