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Horst Langhans, Werkzeugmechaniker



Horst Langhans hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt und ist es gewohnt, auf das zu vertrauen, was er konkret und sichtbar bearbeiten kann. Digitale Geräte wie Smartphone und Computer nutzte er im Berufs- und Privatleben lange Zeit nur dort, wo es sich absolut nicht vermeiden ließ. So verfügt er erst seit jüngstem über eine eigene E-Mail-Adresse, um an einer "Blended Learning"-Fortbildung seiner Firma teilnehmen zu können.

Nach ersten Anlaufschwierigkeiten hat er inzwischen einige Vorbehalte überwunden und bereits erste Erfolgserlebnisse in der Bedienung teilautomatisierter Maschinen gehabt, die die körperlichen Belastungen seiner Arbeit massiv verringert haben.


Persönliche Sichtweise

„Die vielen technischen Veränderungen und Fortbildungen zum Teil sogar im Internet sind schon ganz schön anstrengend. Für manche Sachen fühle ich mich irgendwie fast schon zu alt. Aber mein Chef hat mich davon überzeugt, dass für ihn Berufserfahrung genauso wertvoll ist, wie dieser ganze digitale Kram. Wir haben jetzt gemischte Lerngruppen, in denen wir Alten von den Jungen allerhand Technisches lernen und diese von uns wichtige Praxiserfahrungen - mancher von denen kann ja noch nicht mal ne Feile richtig ansetzen. Auch wenn hier manchmal sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderprallen, klappt das Miteinander ganz gut. Nur ob wir alte Eisen auch zukünftig unseren Job behalten werden oder nicht doch auf dem Schrott landen, das macht mir schon manchmal Sorgen.“



Das sagt der ias-Experte






Dr. Hanns Wildgans,
Kompetenzfeldleiter Medizin in der ias-Gruppe


Die Digitalisierung der industriellen Wertschöpfung („Industrie 4.0“) führt zu einem Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt: Aufträge steuern sich autonom durch die dynamische Wertschöpfungskette und sich selbst organisierende Produktionseinheiten werden bisher von Menschen vorgeplante betriebliche Systeme ersetzen. Dabei werden Arbeitsplätze durch fortschreitende Automation verloren gehen, andere entwertet werden. Nur jene, die die Digitalsysteme anleiten, werden ein „Jobenrichment“ mit Qualifikationsaufwertung und Tätigkeitsanreicherung erfahren.

Die „Angst“ vor der Informationstechnik bis hin zu Versagensängsten mit Verlust des Arbeitsplatzes, wie Horst Langhans sie schildert, wird die anerkannten positiven Aspekte für die psychische Gesundheit (Orientierung, Vorherseh- und -sagbarkeit mit Planbarkeit, Transparenz und Sinn) nachhaltig bedrohen. Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie nehmen daher eine zentrale strategische und operativ-koordinierende Rolle ein. „Gesunde Unternehmen“ werden den Veränderungsprozess mit Blick auf eine ausgewogene Balance von Nutzen und Schaden am individuellen Arbeitsplatz durch eine umfassende psychische Gefährdungsbeurteilung unterstützen. U. a. stärkt diese die Achtsamkeit und die Resilienz zur Erreichung einer Balance auf individueller, Gesellschafts- und Organisationsebene.

Bei Fragen steht Ihnen Herr Dr. Wildgans gern zur Verfügung: hanns.wildgans[at]­ias-gruppe.de



> ias-Experte Frank Grauer zum Thema Arbeitssicherheit
> ias-Expertin Gerlinde Wiemann zum Thema Psychologie


*Beitragsbilder: 1. iStock.com/ Kali Nine LLC | 2. Foto: Andreas Krieg