Die Zufriedenheit ändert sich im Laufe des Lebens. Sie verläuft wie eine U-Kurve. In der Kindheit ist sie hoch, nach der Jugend fällt sie und nach der Lebensmitte geht es wieder bergauf. Diana Handel, Health Coach bei ias PREVENT, stellt das sogenannte Zufriedenheitsparadoxon vor.
Körper & Seele
Glück ist nicht nur für das Individuum, sondern auch für die Gesellschaft ein wichtiger Faktor für Gesundheit, Produktivität und Erfolg. Expert:innen bestätigen: Wer sich zufrieden und ausgeglichen fühlt, lebt häufig gesünder und kann Herausforderungen besser bewältigen. Besonders interessant ist dabei, dass das subjektive Wohlbefinden von unterschiedlichen Faktoren und Lebensphasen beeinflusst wird. Wir werfen einen Blick auf das sogenannte Zufriedenheitsparadoxon.
So haben Forscher:innen ermittelt: Lebenszufriedenheit und Glück folgen der sogenannten U-Kurve. Folglich empfinden wir in jüngeren Jahren mehr Zufriedenheit, erreichen etwa mit Mitte Vierzig einen Tiefpunkt und werden anschließend wieder glücklicher. Eine Erklärung für den kurvenreichen Glücksverlauf liefert Tobias Esch, Universitätsprofessor, Mediziner und Wissenschaftler, mit dem von ihm entwickelten Modell des Zufriedenheitsparadoxons.
Ältere Menschen sind oftmals glücklicher
Das Zufriedenheitsparadoxon überrascht zunächst mit der Erkenntnis, dass das Älterwerden ein wichtiger Treiber für die Empfindung von Glück ist. Studien zeigen, dass ältere Menschen ihre Lebenszufriedenheit häufig höher einschätzen als jüngere Menschen.
Während das Kindes- und Jugendalter von Neugierde, viel Begeisterung sowie im besten Fall von Sicherheit geprägt und somit eine Phase hoher Zufriedenheit ist, folgt ab etwa Mitte 20 die erste Abfahrt. Berufliche Ziele, Beziehungen, die Familienplanung, ein Eigenheim, eventuell pflegebedürftige Angehörige: Bis etwa Mitte 40 sehen sich viele Menschen großen Herausforderungen sowie einigen Tief-, aber ebenso aufregenden Höhepunkten gegenüber. Das subjektive Wohlbefinden schwankt. Ab ungefähr 50 Jahren nimmt die persönliche Zufriedenheit tendenziell wieder zu – paradoxerweise auch dann, wenn ab einem gewissen Zeitpunkt Altersbeschwerden auftreten. Der Grund: Glück und Zufriedenheit reifen in dieser Lebensphase zu einer beständigen Empfindung heran. Viele Menschen blicken in dieser Lebensphase auf erreichte Ziele und gesammelte Erfahrungen zurück, was zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit beitragen kann. Statistiken zeigen, dass sich dieses Gefühl erst kurz vor dem Tod wieder ändert.
Wer Situationen so annimmt, wie sie sind, und auch sich selbst akzeptiert, kann Unzufriedenheit ganz anders nutzen. Nämlich als Motor für einen neuen Kurs in Richtung Veränderung.
Negative Gefühle beeinflussen die Gesundheit
Was aber passiert, wenn das Gegenteil eintritt und Unzufriedenheit zu einem dauerhaften Lebensbegleiter wird - auch über Phasen hinaus, in denen Menschen unterschiedlichen Alters mit Tiefpunkten konfrontiert sind? Die Kehrseite von Glück ist Unzufriedenheit. Werden negative Gefühle dauerhaft belastend und finden keinen Ausgleich, können sie sich auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken. Negative Gefühle wie Missgunst, Neid, Gier oder eben Unzufriedenheit setzen Stresshormone frei. Das kann krank machen.
Glückshormone hingegen haben nachweislich einen gesundheitsfördernden Effekt. Expert:innen raten daher zu Akzeptanz. Wer Situationen so annimmt, wie sie sind, und auch sich selbst akzeptiert, kann Unzufriedenheit ganz anders nutzen. Nämlich als Motor für einen neuen Kurs in Richtung Veränderung," erklärt Diana Handel, Health Coach bei ias PREVENT. Indem wir unsere eigene Haltung reflektieren und bewusst auf hilfreiche Ressourcen und Perspektiven achten, können wir unser Wohlbefinden stärken. Besonders glücksfördernd sind übrigens Gefühle wie Dankbarkeit und Begeisterung – sie können Freude bis hin zu Euphorie auslösen und sind somit wichtige Multiplikatoren, die Neurowissenschaftler:innen als „Doping fürs Gehirn“ bezeichnen.
Die gute Nachricht:
Glücklicher sein lässt sich durchaus etwas üben. Wie glücklich und zufrieden wir uns fühlen, hängt von vielen Faktoren ab. Neben biologischen Voraussetzungen spielen persönliche Ressourcen, die individuelle Resilienz, soziale Beziehungen, Lebensumstände und die eigene Definition von Glück eine Rolle. Manche Menschen erleben positive Gefühle aufgrund ihrer Veranlagung leichter oder länger als andere. Gleichzeitig zeigen Studien, dass sich Wohlbefinden fördern lässt, etwa durch soziale Verbundenheit, Dankbarkeit, Bewegung oder einen bewussten Blick auf positive Erfahrungen. Auch wenn die Fähigkeit, Glück zu empfinden, teilweise genetisch beeinflusst ist, können wir also selbst dazu beitragen, unsere Lebenszufriedenheit zu stärken. Das zeigt: Es gibt viele Einflussfaktoren auf unser Wohlbefinden. Nicht alle können wir steuern, aber einige durchaus.
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