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Erhöhtes Corona-Risiko für Allergiker?

Alle Jahre wieder ist Heuschnupfenzeit. Wie unterscheidet man Allergien von einer Corona-Infektion? Und sind Allergie-Patienten stärker gefährdet, an Corona zu erkranken?

Gesundheitstipps

Was sollten Allergiker im Umgang mit der Corona-Pandemie beachten? Wir klären auf über

  1. Erhöht der Pollenflug mein Covid-19-Risiko?
  2. Husten, Schnupfen, schwerer Kopf - Symptome einer Allergie oder des Coronavirus?
  3. Sollte ich an meiner Allergie-Therapie in Pandemie festhalten?

1. Erhöht der Pollenflug mein Covid-19-Risiko?

Pollen (Blütenstaub) können beim Menschen allergische Reaktionen wie Heuschnupfen und Asthma bronchiale auslösen. Ältere Studien zeigen, dass Pollen die Immunantwort unseres Körpers auf Erkältungsviren beeinträchtigen und körpereigene Abwehrmechanismen runterfahren. Die Folge: Erkältungsviren können sich leichter vermehren, und zwar auch dann, wenn keine Allergie gegen Pollen vorliegt. Doch wie steht es mit dem Covid-19-Erreger? Sind wir bei Pollenflug gefährdeter? Eine aktuelle Studie der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München [1] sorgt für Kontroversen:

  • Laut der Studie beeinflussen Pollen scheinbar auch das SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen. Hierbei sollen Pollen die Immunantwort gegen Viren in den oberen Atemwegen abschwächen und die Infektion mit SARS-CoV-2 begünstigen.
  • Bei der Studie wurden Daten aus insgesamt 31 Ländern erfasst und ein statistischer Zusammenhang gefunden.
  • Die Studie betrachtet im Zeitraum vom 1. Februar bis zum 8. April 2020 den Zusammenhang zwischen dem SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen und verschiedenen Umweltfaktoren (Pollen, Luftfeuchtigkeit, Temperatur) sowie soziologischen Effekten.
  • Neben den untersuchten Umweltfaktoren wurden insbesondere die Bevölkerungsdichte und Lockdown-Maßnahmen als wichtige Einflussgrößen im Infektionsgeschehen identifiziert. In Gebieten mit hoher Pollenbelastung wurde eine signifikant höhere Infektionsrate gefunden.
  • Die Autoren empfehlen bei hoher Pollenkonzentration auch im Freien partikel-filternde Masken zum Schutz gegen Pollen zu tragen.

Dazu die Einschätzung von Dr. Jutta Drees, Fachärztin für Innere Medizin, ias PREVENT Düsseldorf:
Die Münchener Studie wird aktuell in Fachkreisen stark diskutiert. Bei der Studie handelt es sich um eine reine Datenanalyse, die keinen kausalen Zusammenhang zwischen Pollen und einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber SARS-CoV-2 Infektionen nachweist, der Erklärungsansatz der Forschergruppe ist spekulativ. Wenn das Immunsystem stark mit Pollen beschäftigt ist, dann hat es unter Umständen weniger Möglichkeiten sich auf die aktuellen Coronaviren zu konzentrieren. Das Infektionsgeschehen im letzten Frühjahr könnte aber auch rein zufällig zeitlich mit dem Start der Pollensaison zusammengefallen sein. Interessant ist, dass der vermutete Pollen-Effekt nicht nur Allergiker betrifft. Auch wer bisher keine allergische Reaktion zeigt, könnte laut Studie ein erhöhtes Infektionsrisiko bei hoher Pollen-Exposition ausgesetzt sein.

Die Münchener Studie hat erhebliche Besorgnis unter Personen, die an Heuschnupfen bzw. Asthma leiden ausgelöst. Nach einer Stellungnahme der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst vom 10. März haben Allergiker und Nichtallergiker ein gleiches Risiko sich mit SARS-CoV-2 anzustecken. Allergiker haben keinen schwereren Verlauf einer evtl. Erkrankung als Nichtallergiker und kein erhöhtes Sterberisiko. Die Stiftung schreibt weiterhin, dass Allergiker und Nichtallergiker keine Sorgen oder gar Ängste entwickeln sollten, durch den Kontakt mit Pollen in der Außenluft bevorzugt eine Infektion mit Coronaviren zu erleiden.

Dr. Jutta Drees, ias PREVENT Düsseldorf

Gute Nachrichten für alle Allergiker: Laut aktueller Studienlage haben sie kein höheres Risiko sich mit SARS-CoV-2 anzustecken. Auch haben Allergiker keinen schwereren Verlauf einer evtl. Erkrankung und kein erhöhtes Sterberisiko als Nichtallergiker .

Dr. Jutta Drees

Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, ias PREVENT Düsseldorf

Das Tragen filternder Masken kann das Risiko einer COVID-19-Infektion verringern. Hierüber herrscht weitestgehend Konsens in der Fachliteratur. Ebenso unstrittig ist, dass das Tragen von Mund-Nasenschutz (FFP2-Maske) vor Pollen-Exposition schützen kann. Ob man nun bei hoher Pollenbelastung eine FFP2-Maske in der freien Natur trägt, muss jeder für sich entscheiden. 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Symptomen bei Allergie und Virusinfektion
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Symptomen bei Allergie und Virusinfektion
Canva

2. Husten, Schnupfen, schwerer Kopf - Symptome einer Allergie oder des Coronavirus?

Während bei der Covid-19 Infektion Fieber und trockener Husten im Vordergrund stehen, sind die typischen allergischen Beschwerden juckende und tränende Augen, Niesreiz und Schnupfen.

Trockener Husten und Schnupfen können sowohl ein Anzeichen einer Allergie als auch von Corona sein - Fieber gehört nicht zu den Beschwerden bei Allergien.

3. Sollte ich an meiner Allergie-Therapie in Pandemiezeiten festhalten?

In der SARS-CoV-2 Pandemie wurde die Standardtherapie allergischer Rhinitis / Heuschnupfen und allergischen Asthma bronchiale infrage gestellt. Das führte zur Verunsicherung von Patienten. Inhalierbare Steroide standen plötzlich unter Verdacht, ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung bzw. schweren Verlauf von Covid-19 Infektionen bewirken zu können. Es gibt aktuell keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 durch inhalierbare Steroide. Im Gegenteil: Das Absetzen der Inhalationstherapie birgt das Risiko einer akuten Verschlechterung (z. B. Exazerbation eines Asthma bronchiale). Die Folge sind weitere notwendige Arztbesuche und damit eine erhöhte Ansteckungsgefahr für eine Covid-19 Erkrankung.

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin vom 16. März 2020 raten Lungenexperten Asthmatikern ausdrücklich die Therapie mit inhalierbaren Steroiden (ICS) fortzuführen. Auch der AeDA (Ärzteverband Deutscher Allergologen) empfiehlt nasale Glukokortikosteroide (nGKS) bei entzündlichen Erkrankungen der oberen Atemwege (Heuschnupfen, chronische Nasennebenhöhlenentzündung) regelmäßig in der verordneten Dosis einzunehmen. Weiterhin ist es wichtig, sich vor bakteriellen oder viralen Erkrankungen zu schützen. Neben den vom Robert Koch Institut empfohlenen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen, einschließlich der Meidung von Sozialkontakten, sind Impfungen gegen Pneumokokken und im Herbst gegen Grippe sinnvoll.


    [1] A. Damialis, S. Gilles et. al.: Higher airborne pollen concentrations correlated with increased SARS-CoV-2 infection rates, as evidenced from 31 countries across the globe Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), March 2021

    Dr. Jutta Drees ist Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie und führt am PREVENT-Standort Düsseldorf Check-ups durch.

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