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Die Entdeckung der Langsamkeit

Was, wenn das Laufevent, für das ich seit Monaten trainiere, plötzlich dem Coronavirus zum Opfer fällt? Schalten Sie einen Gang runter, empfiehlt Dr. Jochen Hansel und macht es vor. Frühlingsspaziergang statt Halbmarathon – Goethe würde es freuen.

Gesundheitsförderung

Dr. Jochen Hansel, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin bei ias PREVENT

"Mein sportliches Ziel für dieses Jahr: Beim diesjährigen Volkslauf in Stuttgart wage ich den Halbmarathon. Meine Vorbereitungen laufen bislang prima. Ich wäre also bereit, die Vorfreude ist groß und ein paar neue Laufschuhe habe ich mir auch schon zugelegt. Es ist das dritte Paar, aber das macht ja nichts. Vorfreude ist schließlich die schönste Freude.

Doch jetzt wird gerade eine Sportveranstaltung nach der anderen abgesagt, natürlich berechtigt im Hinblick auf das Coronavirus. Wahrscheinlich fällt auch mein Halbmarathon den Vorsichtsmaßnahmen zum Opfer. Für mich und für so viele andere Sportbegeisterte ist das natürlich bedauerlich, da diese Veranstaltungen dem „Läuferleben“ so einen schönen Rahmen geben. Aber Gesundheit geht vor, insofern ist das schon gut so. Doch was jetzt?

Medizinisch gesehen sind Spaziergänge ausgesprochen sinnvoll. 

Dr. med. Jochen Hansel

Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Sportmedizin, Leitender Arzt ias PREVENT GmbH Stuttgart

Osterspaziergang statt Halbmarathon

Etwas ratlos stehe ich da. Mein Trainingsplan als Vorbereitung für den schönen Lauf scheint jetzt irgendwie sinnlos, da er nun mehr nicht mehr klar auf einen Tag zugeschnitten werden kann. Laufen kann ich natürlich weiterhin, aber ohne Ziel ist es nicht das Gleiche. Die Gedanken gehen hin und her. In dieser Ratlosigkeit taucht das Wort „Spaziergang“ auf, zu denen wir in Regionen ohne Ausgehbeschränkung ja auch angehalten werden. 

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick,…“ schrieb schon Goethe in seinem Osterspaziergang. Darauf lasse ich mich mal ein. Jeden Tag mache ich jetzt einen Spaziergang von mindestens einer Stunde durch das schön hügelige Stuttgart. Es tut ausgesprochen gut. Viel mehr, als ich es dachte. 

Gut gegen Bluthochdruck und Gefäßablagerungen

Medizinisch gesehen sind Spaziergänge sowieso ausgesprochen sinnvoll. Sie beugen Bluthochdruck oder Gefäßablagerungen vor. Um das Risiko solcher Erkrankungen nennenswert zu reduzieren, sind 150 Minuten moderates Ausdauertraining in der Woche ratsam. Spaziergänge gehören durchaus zum moderaten Ausdauertraining und die 150 Minuten habe ich schon nach drei Tagen locker erreicht. 

Ein weiteres Plus: Das Spazieren regt meinen Stoffwechsel an. Langsamer heißt hier durchaus effektiver. So werden beim Gehen prozentual mehr Fette verbrannt als beim Joggen. Das wiederum zahlt auf meine Marathonambitionen ein, denn mit einer verbesserten Fettverbrennung lässt sich auch meine Leistungsfähigkeit steigern. Fettreserven nehmen im menschlichen Körper einen großen Platz ein. Auch meine linke Achillessehne wird es mir danken, wenn sie mal etwas entlastet sein wird für die nächste Zeit. 

Das Gefühl mir etwas Gutes zu tun motiviert mich und gleich schnüre ich die Schuhe für den nächsten Spaziergang. Wobei ich mich auch schon freue, nach einer kleinen Auszeit wieder mit dem Laufen zu starten. Aber einen Spaziergang zwischendurch werde ich mir dann wahrscheinlich häufiger gönnen, als ich es bislang getan habe." 

Dr. Jochen Hansel ist leitender Arzt am PREVENT-Standort Stuttgart und führt Gesundheits-Check-up durch.

Spazieren statt Joggen - Sechs Gründe

  1. Gehen birgt ein geringeres Verletzungsrisiko

  2. Beim Gehen werden die Gelenke weniger stark belastet

  3. Gehen erschüttert das Bindegewebe nicht so stark wie Joggen

  4. Beim Gehen bewegen wir uns langsamer und können mehr Eindrücke sammeln

  5. Wir schwitzen weniger und brauchen im Anschluss nicht zwingend duschen

  6. Gehen eignet sich für jedes Alter

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Beitragsbilder: Shutterstock/Koldunov, Florian Liedel

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