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Was Augen, Ohren und Blutdruck mit Demenz zu tun haben

Ist Ihnen das schon mal zu Ohren gekommen? Ein gutes Seh- und Hörvermögen sowie ein stabiler Blutdruck können vor einer Demenzerkrankung schützen. Welche Präventivmaßnahmen dabei entscheidend sind, erläutert Dr. Paula Satzger, Standortleiterin der ias PREVENT München.

Prävention

Dr. med. Paula Satzger

Leitende Ärztin ias PREVENT München, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Hypertensiologie (DHL®)

Laut dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, kurz DZNE, leiden derzeit circa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland und 55 Millionen Menschen weltweit an Demenz. Bleiben Präventionsmaßnahmen aus, könnte sich die Zahl der Demenzerkrankungen in Deutschland bis 2050 auf rund 2,7 Millionen erhöhen. „Könnte“ – denn es gibt Mittel und Wege, signifikante Demenz-Risikofaktoren zu reduzieren und somit einer Erkrankung vorzubeugen. 

Eine gesellschaftlich weit verbreitete Annahme ist, dass Demenzprävention im Kopf beginnt. Studien und Forschungen belegen jedoch, dass auch unsere Sinnesorgane wie Augen und Ohren sowie unser Herz-Kreislaufsystem einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Demenz haben. So sind weltweit circa 5,5 % der älteren Menschen von einer doppelten Sinnbeeinträchtigung (DSI) betroffen – sie hören und sehen schlecht. Zudem hängen rund 40 % der Demenzfälle mit vermeidbaren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen zusammen. 

Demenz begünstigende Risikofaktoren sind u.a.:

  • Bluthochdruck: Schädigt auf Dauer die feinen Blutgefäße im Gehirn
  • Diabetes Typ 2: Stört den Blutzuckerhaushalt und schadet den Gefäßen
  • Schwerhörigkeit und schlechtes Sehvermögen: Große Studien zeigen: je schlechter das Hören oder Sehen, desto höher das Demenzrisiko
  • Hoher Cholesterinspiegel: Führt zu Ablagerungen in den Blutgefäßen
  • Rauchen: Schadet den Blutgefäßen und dem gesamten Nervensystem
  • Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum zerstört die Nervenzellen im Gehirn
  • Bewegungsmangel: Körperliche Inaktivität verschlechtert die Durchblutung des Gehirns

Gerade für Unternehmen mit alternden Belegschaften gewinnt das Thema an Bedeutung. Frühzeitige Vorsorgeangebote können dazu beitragen, Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen und die geistige Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig zu unterstützen.

Demenz wirkt sich nicht nur auf das Privatleben aus, sondern auch auf das Berufsleben. Wer dem Risiko, an Demenz zu erkranken, entgegenwirken möchte, sollte seine Sinneswahrnehmung, vor allem Hör- und Sehvermögen, und sein Herz-Kreislaufsystem stets im Blick behalten.

Dr. med. Paula Satzger

Auf Seh- und Hörvermögen achten

Große Studien zeigen: Je stärker das Hör- oder Sehvermögen eingeschränkt ist, desto höher ist das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Forschende gehen davon aus, dass Sinnesbeeinträchtigungen und Demenz teilweise dieselben Ursachen haben, etwa Gefäßerkrankungen. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass insbesondere Hörverluste die Entwicklung einer Demenz nicht nur begleiten, sondern möglicherweise auch mit beeinflussen können.

Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang, wenn Hör- und Sehvermögen gleichzeitig beeinträchtigt sind. In diesem Fall liegt das Demenzrisiko etwa 50 Prozent höher als bei Menschen ohne entsprechende Einschränkungen. Als mögliche Erklärung wird diskutiert, dass Betroffene im Alltag deutlich mehr geistige Ressourcen aufwenden müssen, um Gesprächen zu folgen oder Informationen aus ihrer Umgebung aufzunehmen. Für andere kognitive Leistungen wie Denken, Verarbeiten und Erinnern bleibt dadurch weniger Kapazität.

Ein schlechtes Hör- oder Sehvermögen bedeutet nicht automatisch Demenz. Es sind jedoch beides ernstzunehmende Risikofaktoren, die man stets beobachten sollte. Empfehlenswert sind Präventivmaßnahmen, wie beispielsweise regelmäßige Hör- und Sehtests ab einem Alter von 50 Jahren.
 

Dr. med. Paula Satzger

Hinzu kommt, dass eingeschränktes Hören oder Sehen häufig zu sozialem Rückzug, Einsamkeit und weniger körperlicher Aktivität führen kann. Diese Faktoren gelten ebenfalls als Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung, erklären den Zusammenhang jedoch nicht vollständig. Ein nachlassendes Hör- oder Sehvermögen muss nicht einfach hingenommen werden. Hörgeräte und Sehhilfen können Einschränkungen ausgleichen und dazu beitragen, soziale Teilhabe und geistige Aktivität möglichst lange aufrechtzuerhalten. Fachleute sehen daher in der frühzeitigen Versorgung mit Hör- und Sehhilfen einen wichtigen Baustein der Demenzprävention. Umso wichtiger sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Das Hörvermögen sollte ab einem Alter von 50+ Jahren regelmäßig gecheckt werden – bei diagnostizierter Schwäche mindestens alle 3 Jahre. Das Gleiche gilt für das Sehvermögen, das ab 50 Jahren alle 1 bis 2 Jahre überprüft werden sollte.

Herz-Kreislauf-Gesundheit im Blick behalten

Neben Hören und Sehen spielt auch die Gesundheit von Herz und Gefäßen eine entscheidende Rolle bei der Demenzprävention. Eine große US-amerikanische Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 22 und 44 Prozent der Demenzfälle bis zum 80. Lebensjahr mit behandelbaren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen zusammenhängen. Auch die American Heart Association weist darauf hin, dass sich die Zahl der Demenzerkrankungen deutlich reduzieren ließe, wenn Gefäßerkrankungen des Gehirns konsequent verhindert würden.

Besonders bedeutsam ist dabei die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen. Studien zeigen, dass Menschen nach einem Schlaganfall ein deutlich erhöhtes Risiko haben, später an einer Demenz zu erkranken. Untersuchungen gehen von einem um rund 70 Prozent erhöhten Risiko aus. Vor allem die vaskuläre Demenz steht in engem Zusammenhang mit Gefäßschäden, auch wenn sich vaskuläre Demenz und Alzheimer-Erkrankung häufig überschneiden können.

Zu den wirksamsten Maßnahmen zählt die konsequente Behandlung von Bluthochdruck. Ein gut eingestellter Blutdruck zählt zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen der Demenzprävention. Studien zeigen, dass eine konsequente Blutdruckkontrolle das Demenzrisiko um bis zu einem Fünftel reduzieren kann. Gleiches gilt für die Behandlung von Diabetes sowie den Verzicht auf Tabakkonsum. Entscheidend ist dabei die Gesamtheit der Risikofaktoren: Je mehr Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder Übergewicht zusammenkommen, desto höher ist das individuelle Demenzrisiko. Deshalb gehören Blutdruck- und Blutzucker-Checks ebenso zur Demenzprävention wie regelmäßige Hör- und Sehtests.

Demenzprävention auf zwei Säulen

Die Demenzprävention basiert auf den beiden wissenschaftlich belegten Säulen der Sinnesgesundheit, Hören und Sehen, und der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Wer dem Risiko einer Demenzerkrankung entgegenwirken möchte, sollte regelmäßig Hör- und Sehtests sowie Blutdruck- und Blutzucker-Checks durchführen lassen. Das gilt nicht nur im Privaten, sondern auch für betriebliche Vorsorgeuntersuchungen. 

Der Einsatz von Hörgeräten, Brillen, Blutdruck- und Diabetesbehandlungen kann bereits einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Demenzrisikos leisten. Der ias PREVENT Check-up-Classic beispielsweise deckt 

beide Präventionsachsen bereits in einer Untersuchung ab. Neben Hör- und Sehtests umfasst er unter anderem eine ausführliche Anamnese, EKG-Untersuchungen, Laboranalysen relevanter Risikomarker sowie verschiedene Verfahren der Herz-Kreislauf- und Gefäßdiagnostik. So können Risikofaktoren frühzeitig erkannt und individuell bewertet werden.

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