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Hingehört: Lärmbelastungen am Arbeitsplatz

Lärmschwerhörigkeit gehört zu den am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten. In Sachen Hörschutz sind Arbeitgebende somit in der Pflicht. Wir erklären, was Lärm eigentlich ist und wie Sie Ihre Mitarbeitenden vor gesundheitlichen Schäden schützen können.

Arbeitsschutz

Mann bei der Arbeit mit Gehörschutz und Schutzbrille

Dr. med. Michael Harrer

Facharzt für Arbeitsmedizin

Ein Portrait von Dr. Harrer, dem Autor des Artikels

Vom Großraumbüro über Spülküchen in Restaurants bis hin zu Montagearbeiten und handwerklichen Tätigkeiten – zwar unterscheiden sich die Aufgabenbereiche an verschiedenen Arbeitsplätzen voneinander, eines eint sie jedoch dennoch: sie verursachen meist Lärm. Dieser wirkt sich in unterschiedlichem Ausmaß auf die Gesundheit von Mitarbeitenden aus. Genauer: Lärm kann krank machen.

In den im März 2021 neu gefassten Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) A3.7: Lärm sowie in der Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibration (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung LärmVibrationsArbSchV) sind präzise Richtwerte für die Lärmbelastung am Arbeitsplatz festgelegt, die auf verschiedene Tätigkeitskategorien abgestimmt sind. Dennoch kommt es in vielen Fällen vor, dass diese Richtwerte nicht eingehalten werden. Langfristige Lärmbelastungen am Arbeitsplatz können gesundheitliche Auswirkungen haben, die weitreichend sind. Dazu zählen unter anderem Konzentrationsstörungen, Nervosität, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und in schweren Fällen Beeinträchtigungen des Hörvermögens, die bis hin zu irreparablen Hörverlust führen können. Das sind gute Gründe für innerbetriebliche Aufklärung und Prävention – bei Bedarf durch externe Expert:innen für Arbeitssicherheit.

Lärm am Arbeitsplatz wird häufig unterschätzt – dabei kann er nicht nur das Gehör dauerhaft schädigen, sondern auch zu Konzentrationsstörungen, Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Prävention und regelmäßige Gehöruntersuchungen sind deshalb essenziell, um die Gesundheit der Beschäftigten nachhaltig zu schützen.

Dr. med. Michael Harrer

Facharzt für Arbeitsmedizin

Lärm als Berufskrankheit

Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist die Lärmschwerhörigkeit die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit. Im Jahr 2024 wurden 9.000 Fälle registriert und anerkannt. Darüber hinaus begünstigt Lärm am Arbeitsplatz Stressreaktionen und erhöht somit das Risiko für Unfälle. Doch was ist das eigentlich genau – Lärm? Zwar ist die Wahrnehmung hinsichtlich eines erhöhten Geräuschpegels stets individuell – ganz allgemein umfasst Lärm jedoch alle störenden, belästigenden oder gesundheits- (insbesondere gehör-) schädigenden Geräusche, die von einer Schallquelle ausgehen. 

Eine Übersicht zeigt beispielhaft. was wie laut ist und ab welcher Dezibelzahl eine Hörschädigung beginnt. Canva-Design

Hörschutz: Prävention und Nachsorge

Lärm ist somit im betrieblichen Kontext zwar ein übergreifendes Gesundheitsrisiko – dennoch sollte jeder Betrieb individuelle Maßnahmen zur Prävention, Aufklärung und Nachsorge einleiten. Hier greift das STOP-Prinzip: 

S – Substitution (laute Maschinen gegen leise Maschinen ersetzen)
T – Technische Schutzmaßnahmen (Akustikdecke)
O – Organisatorische Schutzmaßnahmen (räumliche Trennung; zeitliche Verlagerung lärmintensiver Arbeiten)
P – Persönliche Schutzmaßnahmen (Bereitstellung von funktionsfähigem Gehörschutz) 

Denn: Ausreden gibt es viele (von „Meine Ohren jucken!“ bis hin zu „Ich kann mich nicht mit meinen Kollegen verständigen“) – ein zweites Paar Ohren hingegen nicht. Aus diesem Grund sind nachsorgende Maßnahmen ebenso relevant: Regelmäßige Gehöruntersuchungen zur Früherkennung von Hörschäden, die Bereitstellung von Informationsmaterial zu den Folgen von Geräuschbelastung (Lärmexposition). Mehr noch: Während Arbeitgebende die Unternehmenskultur durch ihr Verantwortungsbewusstsein übergreifend stärken, wirkt sich geeigneter Gehörschutz auf der operativen Ebene positiv auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz aus und steigert deren Produktivität. Kein Wunder - in der Ruhe liegt schließlich bekanntermaßen die Kraft.

Mehr Ruhe am Arbeitsplatz: Tipps vom Experten

  1. Abstand

    Eine räumliche oder zeitliche Trennung von Beschäftigten mit unterschiedlich lauten Tätigkeiten ist zu empfehlen (Raumtrenner, Sichtschutz, Einsatzpläne).

  2. Separate Räume

    Laute Bürogeräte (Drucker, Kopierer) sollten wenn möglich in einem separaten Raum stehen.

  3. Raumakustik

    „Schallschlucker“ wie Teppichboden, Pflanzen und Bilder verbessern die Raumakustik.

  4. Ruhe-Räume

    Für Meetings oder Telefonkonferenzen sind lärmgeschützte „Räume“ zu empfehlen.

  5. Hilfsmittel

    Hilfsmittel wie Headsets erleichtern das Telefonieren und können bei Bedarf dank „Noise-Cancelling“-Eigenschaften für mehr Ruhe sorgen.

  6. Unnötiger Lärm

    Unnötiger Lärm (zum Beispiel Radio während eigentlich leiser Arbeiten) sollte vermieden werden.

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