Direkt zum Inhalt

Übergewicht/Adipositas: Definition, Ursachen, Behandlung und Prävention

Der Anteil der Adipösen hat sich im Vergleich zur Jahrtausendwende nahezu verdoppelt und nimmt weltweit stark zu. Ursachen, Risikofaktoren, Therapien für die chronische Erkrankung, aber auch Präventionsmaßnahmen gegen Adipositas erklärt Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie Dr. Jutta Drees

Körper & Seele

Adipositas, Übergewicht, Prävention

In Deutschland sind ganze zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) übergewichtig* (*Nach Daten des Robert Koch Institutes (RKI)) mit einem BMI ≥ 25 kg/m2. Ein Viertel der Erwachsenen sind sogar stark übergewichtig/adipös (BMI ≥ 30 kg/m2). Das stellt für die Betroffenen ein konkretes Risiko für schwerwiegende Erkrankungen dar und für das Gesundheitssystem eine enorme Belastung. Neben dem Rauchen ist die Adipositas die zweithäufigste vermeidbare Todesursache.

Nicht nur das Gewicht, bzw. Übergewicht bestimmt aber das persönliche Gesundheitsrisiko, eine Rolle spielt auch die Fettverteilung im Körper. Dieses ist bei bauchbetonter Fettverteilung wesentlich höher als bei hüftbetonter Fettansammlung. Übersteigt der Bauchumfang 102 cm bei Männern beziehungsweise 88 cm bei Frauen, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Folgekrankheiten. 

Definition Adipositas

Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Beurteilungsgrundlage ist der Körpermassenindex (Body Mass Index / BMI). Der BMI ist der Quotient aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²). 

Dr. Jutta Drees

Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, ias PREVENT Düsseldorf

Dr. Jutta Drees

Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind meist eine Kombination aus ungünstiger genetischer Veranlagung und ungesundem Lebensstil. Eine fett- und kalorienreiche Ernährung sowie die ständige Verfügbarkeit von Nahrung führen über die Zeit zu einer Gewichtszunahme. Hinzu kommt chronischer Bewegungsmangel durch beispielsweise sitzende berufliche Tätigkeit ohne sportlichen Ausgleich. Unbekannter sind aber Faktoren wie psychische Faktoren wie Stress, Frust oder Schlafmangel. Auch Erkrankungen wie Depressionen, Essstörungen, Schilddrüsenunterfunktion und verschiedene Medikamente  - etwa Psychopharmaka, Antidiabetika oder eine Langzeittherapie mit Kortison können Ursachen für einen Adipositas sein.

Beschwerden/ Begleit- und Folgeerkrankungen von Adipositas

Zu den häufigen Beschwerden durch eine Adipositas zählen Leistungsminderung, starkes Schwitzen, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Beweglichkeit, sowie Rücken-, Hüft- oder Knieschmerzen. Fettleibigkeit belastet den ganzen Körper und birgt daher ein hohes Risiko von Folgeerkrankungen. Die Liste ist leider lang: Hier sind an erster Stelle Stoffwechselstörungen wie Zuckerkrankheit/Diabetes mellitus Typ II, erhöhte Blutfette, Gallensteine, Fettleber und Schlafapnoesyndrom zu nennen. Aber auch weitere Erkrankungen können auftreten wie zum Beispiel Gicht, Bluthochdruck, Arterienverkalkung mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, verschiedene Krebserkrankungen, frühzeitiger Gelenkverschleiß, Wirbelsäulenbeschwerden, Unfruchtbarkeit bei Frauen und Infertilität bei Männern. Starkes Übergewicht bzw. Adipositas reduziert nicht nur die Lebenserwartung der Betroffenen, sie macht das Leben im Alter häufig auch zunehmend beschwerlich.

zur Wahl stehen ein Apfel und ein Donut mit bunten Streuseln
Eine Lebensstiländerung kann die meisten Gesundheitsstörungen verbessern
AdobeStock/Adrian_ilie825

Diagnostik

Zur Basisuntersuchung gehört ausführliche Erhebung der Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung. Wir ermitteln den Körpermassenindex (BMI) den Bauchumfang, führen eine Blutuntersuchung mit Bestimmung des Nüchternblutzuckers, der Blutfette (Cholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyceride) durch, überprüfen Harnsäure und Schilddrüsenfunktion (TSH) und nehmen eine Blutdruckmessung vor. Diese Daten zum Gesundheitsstatus helfen, präventive Maßnahmen zum Erhalt oder Verbesserung der Gesundheit abzuleiten. 

Therapie

Die gute Nachricht: Die meisten Gesundheitsstörungen können durch eine Gewichtsreduktion gebessert werden.  An erster Stelle steht eine Lebensstiländerung zu einer gesunden und ausgewogenen Mischkost und regelmäßiger körperlicher Betätigung. Das bedeutet eine Steigerung der Alltagsaktivitäten und moderater Ausdauersport. Hierbei ist zu beachten, dass bei ausgeprägter Adipositas Sportarten ausgewählt werden sollten, die die Gelenke nicht belasten (zum Beispiel: Walking, Schwimmen, Aquagymnastik, Radfahren). 

Eine individualisierte Ernährungsberatung berücksichtigt das Risikoprofil sowie das berufliche Umfeld und hilft das Gewicht langfristig zu stabilisieren. Abgeraten wird aber von Diäten mit schneller Gewichtsabnahme wird aufgrund des drohenden Jo-Jo-Effekts und der möglichen Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden, Abgeschlagenheit oder dem Auftreten von Gallensteinen. Auch gelingt es bei schnellen Diäten in der Regel nicht, die Essgewohnheiten und den Lebensstil langfristig umzustellen. Verhaltenstherapie und bewegungstherapeutische Maßnahmen können eine Änderung des Lebensstils unterstützen.  Je nach Schwere der Adipositas oder der Begleiterkrankung wird auch eine medikamentöse oder operative Therapie (z. B. Schlauchmagen, Magenbypass). Doch zur Sicherung eines langfristigen Therapieerfolges ist eine nachhaltige Änderung des Lebensstils erforderlich.

Spazieren, Gehen, Bewegung, Entspannung, Frühling, Fettverbrennung
Spazieren gehen ist so gesund wie Laufen.
shutterstock/Koldunov

Prävention der Adipositas

Auch hier richten sich die Empfehlungen auf einem bewussten Umgang mit Lebensmitteln und eine Erhöhung der körperlichen Aktivität. Als allgemeine Richtlinie gelten täglich mindestens 30 Minuten Alltagsaktivitäten wie Spazierengehen plus zweimal pro Woche 45-60 Minuten moderates Ausdauertraining. Selbst wenn der gewichtssenkende Effekt begrenzt ist, wird durch Sport das Risikofaktorenprofil und das langfristige kardiovaskuläre Risiko günstig beeinflusst. 
Bei der Ernährung sind Lebensmittel mit geringer Energiedichte wie zum Beispiel Vollkornprodukte, Obst und Gemüse (mediterrane Küche) empfehlenswert. Bevorzugt werden sollten kalorienfreie Getränke wie Kaffee, Tee oder Mineralwasser. Der Konsum von „fast food“, Alkohol und zuckerhaltigen Getränken (hierzu zählen auch Fruchtsäfte) sollte möglichst reduziert werden. Auch eine regelmäßige Gewichtskontrolle ist hilfreich, da Übergewicht sich häufig allmählich über Jahre einstellt.

Diesen Artikel teilen

Lesen Sie mehr zu Ernährung und Gesundheit

ias-Kundenmagazin

Spezial zu individueller Mitarbeitendenberatung in Krisenzeiten

zum E-Paper

impulse

Cover Impulse EAP Hellmann 2 2021