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Damit Ältere länger am Ball bleiben

Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer geht vorzeitig in Rente. Manchmal freiwillig, manchmal krankheitsbedingt, vor allem aber Arbeitnehmer, die lange körperlich schwer gearbeitet haben – ein Gespräch mit den ias-Sicherheitsingenieuren Stefan Kampe und Sebastian Steder.

Arbeitssicherheit

Arbeitssicherheit, ias, BGM

Welche Erfahrungen machen Sie in den Betrieben?

KAMPE: Die Gleichung, je älter der Mitarbeiter, desto häufiger und länger fällt er auch aus, trifft zu. Die Unternehmen suchen daher nach Lösungen, die ihre körperlich schwer arbeitenden Mitarbeiter unterstützen. 
STEDER: Dabei sind es mitunter Kleinigkeiten, die angepasst werden können, um eine ergonomischere Arbeitsausführung zu gewährleisten. Technische Hilfsmittel, wie ein elektrischer Hubwagen oder ein Wagen mit Scherenhub, können den Mitarbeiter deutlich entlasten.
KAMPE: Der Markt ist in Bewegung, daher sollten Unternehmen ihn genau im Blick behalten. Wir beobachten, dass der Automatisierungsgrad in den Betrieben steigt. Doch nicht immer gestaltet sich eine solche Umrüstung einfach.

Sebastian Steder, Dipl.-Ing. Stefan Kampe
Sebastian Steder (links) und Dipl.-Ing. Stefan Kampe betreuen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter länger gesund halten wollen.
Privat

Woran liegt das? 

STEDER: Neue, bereits vorhandene Lösungen arbeiten häufig zu langsam, zu unflexibel oder aber sie sind zu kostenintensiv. Viele Unternehmen benötigen technische Lösungen, die einen hohen Grad an Flexibilität aufweisen – hierfür müssten sie hohe Summen aufbringen. Das lässt viele Betriebe einigermaßen hilflos zurück. Spätestens an diesem Punkt werden wir dann hinzugezogen. Wir arbeiten hier interdisziplinär: Gemeinsam mit Beratern des Betrieblichen Gesundheitsmanagements oder Ergonomie­Instruktoren vermitteln wir den Beschäftigten das ergonomische Verhalten am Arbeitsplatz. Der Umgang mit schweren Lasten muss geübt werden. Fehler in der Bewegungsausführung haben sich oft über Jahre eingeprägt. Wir helfen dabei, dieses falsche Verhalten abzulegen und so vor Verletzungen und Gesundheitsschäden zu schützen. 

KAMPE: Unternehmen sollten für ihre älteren Beschäftigten zudem frühzeitig in Ersatzarbeitsplänen alternative Arbeitsplätze erarbeiten. In der Praxis landen Mitarbeiter, die jahrzehntelang körperlich schwer gearbeitet haben, häufig von jetzt auf gleich an einem Bildschirmarbeitsplatz.

Auf den ersten Blick klingt das aber doch nach einer naheliegenden Lösung… 

STEDER: Naheliegend vielleicht, aber dabei wird übersehen, dass das den Betroffenen, der sein Leben lang körperlich gearbeitet hat, möglicherweise kognitiv überfordert. Die Herausforderung ist, diese Menschen mitzunehmen und für diesen neuen Einsatz zu schulen. Das wird mitunter vernachlässigt. 
KAMPE: Hinzu kommt, dass gerade die Mitarbeiter, die jahrelang an Bildschirmarbeitsplätzen tätig sind, durch eine verkrampfte Haltung und unbewegtes Sitzen vermehrt Rückenerkrankungen aufweisen. Wenn nun ältere Beschäftigte mit Rückenleiden auf solche Arbeitsplätze gesetzt werden, kann dies vorhandene Beschwerden noch verstärken.

Was raten Sie den Unternehmen? 

STEDER: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Arbeitsumfeld und die Arbeitsbedingungen gestaltet sein müssen, damit auch ältere Beschäftigte gesund, leistungsfähig, motiviert und kreativ bleiben. Die Unternehmen dürfen nicht erst im Akutfall überlegen: Was mache ich jetzt mit dem betreffenden Mitarbeiter? Vielmehr muss es einen Plan für die Zukunft geben. 
KAMPE: Meine Empfehlung lautet, nicht nur die älteren Beschäftigten zu entlasten, die eventuell bereits Schädigungen aufweisen, sondern auch präventiv den jungen, gesunden Mitarbeitern adäquate Angebote zu machen. Dazu gehört auch, zu ermitteln, bei welchen Arbeitsschritten welche Belastungen entstehen. Eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung ist hier das A und O. Die Maßgabe muss lauten: Der Arbeitsplatz ist so zu gestalten, dass er zu den Menschen passt. Nicht umgekehrt. 

Tipps für Arbeitgeber

  • Arbeitsmittel an den Menschen anpassen, nicht umgekehrt.
  • Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) Ersatzarbeitsplätze erarbeiten.
  • Ältere Beschäftigte weiterhin in Qualifizierungs- und Entwicklungsmaßnahmen einbeziehen.
  • Arbeitsplätze ergonomisch gestalten – das verbessert die Arbeitsproduktivität. 
  • Job-Rotation ermöglichen, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Arbeitszeitgestaltung und Arbeitszeitflexibilität möglichst mit Selbstbestimmung der Beschäftigten.
  • Zur Inanspruchnahme der betrieblichen Angebote zur Gesundheitsförderung  motivieren.
  • Pausen- und Erholungszeiten gestalten.

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