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Schlafstörungen durch Schichtarbeit: Ursachen, Risiken und Lösungen

Schichtarbeit kann den Biorhythmus aus dem Gleichgewicht bringen und zu gesundheitlichen Problemen führen – am häufigsten zu Schlafstörungen und anhaltender Erschöpfung. Welche Risiken bestehen konkret? Und wie können Mitarbeitende und Unternehmen gemeinsam für mehr Gesundheit im Schichtdienst und besseren Schlaf sorgen?

Arbeitsmedizin

Grafische Darstellung von Uhren

Dr. med. Luise Beickert

Fachärztin für Arbeitsmedizin

Schichtarbeit ist in vielen Branchen unverzichtbar. Ob in Logistik und Transport, im Gesundheitswesen, bei Polizei und Rettungsdienst, im Verkehr oder in der Industrie: Für viele Beschäftigte gehört es zum Arbeitsalltag, dann zu arbeiten, wenn andere schlafen oder frei haben. In Deutschland arbeitet rund ein Sechstel der Beschäftigten in Schichtsystemen. Wer nachts oder im Wechsel arbeitet, lebt dabei häufig gegen die innere Uhr – mit Folgen für Schlaf, Gesundheit und Sozialleben.

Warum führt Schichtarbeit häufig zu gesundheitlichen Problemen wie Schlafstörungen?

Schichtarbeit verschiebt Schlaf- und Wachzeiten und bringt damit den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers aus dem Takt. Der menschliche Organismus folgt einer inneren Uhr, die unter anderem Schlaf, Wachphasen, Hormonhaushalt, Körpertemperatur und Stoffwechsel steuert. Vor allem Nacht- und Wechselschichten führen dazu, dass Schlaf zu einer biologisch ungünstigen Zeit stattfinden muss. Die Folge sind häufig Ein- und Durchschlafprobleme, verkürzte Schlafdauer und anhaltende Müdigkeit; selbst dann, wenn die formale Schlafdauer ausreichend erscheint. Besonders nach Nachtschichten fällt der Schlaf oft kürzer aus als nötig – und ist für viele Beschäftigte weniger erholsam als Nachtschlaf.

Welche Folgen haben Schlafstörungen durch Schichtarbeit für Beschäftigte und Unternehmen?

Wer dauerhaft gegen den eigenen Biorhythmus arbeitet und lebt, leidet häufiger unter Schlafmangel und eingeschränkter Erholung. Das kann Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit vermindern. Im Arbeitsalltag steigt dadurch die Fehleranfälligkeit – und je nach Tätigkeit auch das Unfallrisiko. Gleichzeitig kann die Belastung durch Schichtarbeit das Familien- und Sozialleben beeinträchtigen. Unregelmäßige Arbeitszeiten erschweren gemeinsame Freizeit, verlässliche Routinen und die Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen.

Wenn Beschäftigte dauerhaft unausgeschlafen sind, leidet nicht nur die Regeneration, sondern oft auch die Sicherheit im Arbeitsalltag.

Dr. med. Luise Beickert

Fachärztin für Arbeitsmedizin

Gerade bei langjähriger oder ungünstig gestalteter Schichtarbeit können sich die Belastungen verstärken. Langfristig wird Schichtarbeit zudem mit weiteren gesundheitlichen Belastungen in Verbindung gebracht, etwa mit Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden oder Stoffwechselerkrankungen. Diese Risiken nehmen insbesondere dann zu, wenn Nachtarbeit über viele Jahre hinweg erfolgt und Erholungszeiten nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Deshalb kommt der Arbeitszeitgestaltung eine zentrale Rolle zu – nicht nur für die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch für Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Arbeitsqualität im Unternehmen, etwa durch weniger Fehler, geringere Unfallrisiken und stabilere Arbeitsabläufe.

Was vorbeugend getan werden kann

Die Belastungen durch Schichtarbeit lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber deutlich verringern. Entscheidend ist vor allem eine gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeitszeiten. 

Gesunder Schlaf trotz Schichtarbeit: Ein erster Leitfaden

  1. Verträglichkeit

    Schichtsysteme einführen, die sich am Biorhythmus orientieren (also Beginn der Frühschicht nicht zu früh, Ende der Nachtschicht nicht zu spät).

  2. Vorwärts-Rotation

    Keine Dauernachtschichten, sondern Wechsel von Früh- auf Spät- auf Nachtschicht.

  3. Dauerbelastung

    Nicht mehr als zwei bis drei Nachtschichten am Stück.

  4. Ruhephasen

    Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase folgen – im Optimalfall mindestens 48 Stunden.

  5. Planbarkeit

    Schichtpläne sollten möglichst vorhersagbar sein und eingehalten werden, damit das Privatleben planbar bleibt.

  6. Micro-Erholung

    Ausreichende, sinnvoll verteilte Ruhepausen während dem Schichtdienst sicherstellen und ergonomische Ruheräume zur Verfügung stellen.

  7. Verstetigung

    Die Themen Schlaf und Entspannung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement verankern.

  8. Teilhabe

    Angebote der Betrieblichen Gesundheitsförderung zeitlich an den Beginn oder das Ende der Dienstzeit stellen, damit Schichtarbeitende sie nutzen können.

Ergänzend können kleine individuelle Maßnahmen im Alltag einen großen Unterschied machen: Wer nach der Nachtschicht eine Sonnenbrille trägt, vermeidet helles Tageslicht – und erleichtert dem Körper den Übergang in den Schlafmodus. Hilfreich sind zudem eine ruhige, gut abgedunkelte Schlafumgebung, feste Erholungsroutinen sowie ein bewusster Umgang mit Licht, Koffein und Mahlzeiten. Auch das soziale Umfeld sollte möglichst informiert sein, um Störungen während der Schlafzeiten zu vermeiden. 

Arbeitsmedizinische Vorsorge und rechtliche Rahmenbedingungen

Beschäftigte in Nachtarbeit haben gemäß § 6 Absatz 3 Arbeitszeitgesetz Anspruch auf regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen. Diese können vor Beginn der Tätigkeit und anschließend in mehrjährigen Abständen in Anspruch genommen werden, ab dem 50. Lebensjahr sogar jährlich. Ziel ist es, gesundheitliche Belastungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen der Tätigkeit vorzunehmen.

Darüber hinaus sind auch weitere Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten. Dazu gehören insbesondere ausreichende Ruhezeiten zwischen den Diensten, die Begrenzung der Arbeitszeit sowie ein angemessener Ausgleich für Nachtarbeit, etwa durch zusätzliche freie Tage oder Zuschläge. 

Fakt ist: Wer nachts arbeitet, arbeitet gegen die eigene innere Uhr – das kann auch ein guter Schichtplan nicht vollständig aufheben. Umso wichtiger sind Maßnahmen, die Belastungen frühzeitig erkennen und wirksam reduzieren. In welchem Maße Mitarbeitende konkret belastet sind, lässt sich mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen systematisch erfassen. 

Die ias-Expert:innen für Arbeitsmedizin, Arbeitspsychologie und Arbeitssicherheit können gezielt mit individuellen Empfehlungen bei der gesundheitsgerechten Gestaltung von Schichtarbeit unterstützen.

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