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Epigenetik und Krebsprävention: Darmkrebs früh erkennen – und vorbeugen

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 58.000 Menschen an Darmkrebs. Die Anzahl der Todesfälle liegt bei rund 24.000. Somit zählt Darmkrebs zu den häufigsten, in vielen Fällen tödlich verlaufenden Krebserkrankungen in Deutschland. Jens von Schlichting, Facharzt für Innere Medizin und Präventivmediziner am ias PREVENT-Standort Frankfurt am Main, berichtet von den neuesten Erkenntnissen und präventiven Möglichkeiten.

Prävention

Weibliche Person trägt ein petrolfarbenes Shirt und formt mit ihren Händen vor dem Oberkörper ein Herz.

Jens von Schlichting

Facharzt für Innere Medizin, Präventivmediziner DAPM am Standort ias PREVENT Frankfurt/Main

Jens von Schlichting, ias PREVENT

Bereits zum 25. Mal steht der März ganz im Zeichen der Darmkrebsprävention. Initiiert wurde der Darmkrebsmonat im Jahr 2002 von der Felix Burda Stiftung, der Deutschen Krebshilfe und der Stiftung Lebensblicke – als Gesundheitskampagne mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für das Thema Darmkrebs zu sensibilisieren und die Bedeutung der Vorsorge hervorzuheben. Schließlich kann eine Erkrankung durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gut erkannt und behandelt werden. Hinzu kommt: Forschungsergebnisse zeigen, dass Umweltfaktoren wie Stress, Ernährung und Bewegung das Krebsrisiko beeinflussen.

Kostenübernahme von Darmkrebsvorsorgemaßnahmen ab dem 50. Lebensjahr

Wer sich in Deutschland aktiv um seine Gesundheit kümmern möchte, wird von den Krankenkassen finanziell unterstützt. So herrschen seit Frühjahr 2025 neue Richtlinien zur Darmkrebsprävention, die Männern und jetzt auch Frauen ab 50 Jahren eine Koloskopie in regelmäßigen Abständen ermöglichen; die Kosten werden komplett von den Krankenkassen übernommen. Was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist: Ein Stuhltest, der verstecktes Blut sichtbar macht (iFOBT), reicht oftmals nicht aus, um eine Darmkrebserkrankung oder deren Vorstufen zu diagnostizieren. Umso sinnvoller ist die regelmäßige Vorsorge-Darmspiegelung. Zahlreiche Studien belegen, dass durch diese präventive Behandlungsmaßnahme das Erkrankungsrisiko um bis zu 60 Prozent gesenkt und somit die Sterblichkeitsrate deutlich reduziert werden kann. 

Obwohl die Kostenübernahme einer Darmspiegelung seitens der Krankenkassen gewährleistet ist, liegt die Teilnahmequote in Deutschland weiterhin unter 25 Prozent. Sicherlich spielen Schamgefühle eine Rolle, aber auch mangelnde Informationen. Eine Koloskopie ist schmerzfrei. Und: Wir können selbst so viel tun, um unser Krebsrisiko aktiv zu senken – nicht nur, was Darmkrebs betrifft

Jens von Schlichting

ias PREVENT in Frankfurt/Main

Der Zusammenhang zwischen Epigenetik und Krebsprävention

So eröffnet die Forschung zur Epigenetik neue Perspektiven für personalisierte Präventionsstrategien der Zukunft. Die Epigenetik untersucht als wichtiges Teilgebiet der Biologie vererbbare Modifikationen der Genaktivität, die nicht auf einer Änderung der DNA-Sequenz beruhen. Sie dient als Bindeglied zwischen Genen und Umwelteinflüssen, indem sie steuert, welche Gene an- oder ausgeschaltet werden. Diese chemischen Markierungen, wie beispielsweise die DNA-Methylierung, sind dynamisch. Das heißt, sie können durch Lebensstil, Ernährung oder Umweltfaktoren beeinflusst werden und sind mitunter – durch gezielte Lebensstilanpassungen – umkehrbar. 

Ein kurzer Einblick in die Welt der Epigenetik

Epigenetische Faktoren modifizieren die „Verpackung“ der DNA (z.B. durch Histon-Modifikation) oder markieren sie direkt (DNA-Methylierung), wodurch Gene ablesbar oder blockiert werden.

Die Chance der Veränderung: Epigenetische Einflüsse auf Krebserkrankungen

Krebsvorsorge ohne Arzttermin: Der Schlüssel liegt darin, die Risikofaktoren zu kennen – und den Lebensstil möglichst darauf auszurichten. 

  • Übergewicht und Adipositas: Circa 13 Prozent aller Darmkrebs- und bis zu 20 Prozent aller Brustkrebserkrankungen nach der Menopause werden durch Adipositas hervorgerufen. Denn Fettgewebe beeinflusst den Hormonhaushalt negativ und kann chronische Entzündungen fördern – es kommt zu epigenetischen Veränderungen, die das Krebsrisiko erhöhen können.
  • Auswirkungen von Substanzen: Alkohol- und Tabakkonsum steigern das Krebsrisiko erheblich, weshalb darauf verzichtet werden sollte. Insbesondere für Frauen gilt: Es gibt kein sicheres Alkohollevel. Selbst moderater Konsum wird mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht.
  • Ernährung: Hochverarbeitete Lebensmittel, sprich industriell stark veränderte Nahrungsmittel, die aus zahlreichen Zutaten, Aromen und Zusatzstoffen bestehen, können Krebserkrankungen bei täglichem Genuss ebenfalls begünstigen. Eine ballaststoffreiche Ernährung, die auf Obst und Gemüse basiert, und der Verzicht auf rotes und verarbeitetes Fleisch senken das Darmkrebsrisiko dagegen: Wer 10 g Ballaststoffe zusätzlich täglich zu sich nimmt, reduziert das Risiko um etwa 10 Prozent.
  • Bewegung: Wer sich regelmäßig bewegt, kann das Entstehungsrisiko verschiedener Krebsarten beachtlich senken: Bereits 150 Minuten moderate Bewegung die Woche wirken laut WHO gesundheitsfördernd.

Exkurs: Die Bedeutsamkeit der Brustkrebsprävention und des Mammographie-Screenings

Auch wenn das Mammographie-Screening in der wissenschaftlichen und fachlichen Diskussion aufgrund der geringen Senkung der Brustkrebssterblichkeit nach einer Untersuchung (von 5 auf 4 pro 1.000 Frauen) umstritten ist, kann sie das Erkrankungsrisiko reduzieren. Eine aktuelle Langzeitstudie aus Schweden zeigt, dass Frauen, die die erste Einladung zum Mammographie-Screening vernachlässigt haben, von einem um 40 Prozent erhöhten Risiko betroffen waren, später an Brustkrebs zu sterben. Wichtig hierbei ist, zu erwähnen, dass der erste Gang zum Screening-Programm entscheidend ist, um die darauffolgenden Untersuchungen weiterhin wahrzunehmen. Daraus resultiert: Wer sich regelmäßig auf Brustkrebs checken lässt, kann von einer frühen Diagnose profitieren. Versäumte Mammographie-Termine führen bei Betroffenen zu einer Diagnose im fortgeschrittenen Tumorstadium, was die Heilungschancen deutlich negativ beeinflussen kann. Auch hier gibt es im Gesundheitswesen eine Erneuerung seit 2025: Das Mammographie-Screening wird künftig auch für Frauen zwischen 70 und 75 Jahren von den Krankenkassen übernommen. 

Fazit

Wie gestaltet sich nun eine optimale Prävention von Krebserkrankungen? Epigenetische Erkenntnisse betonen die Relevanz eines gesunden Lebensstils im Rahmen der Krebsprävention. Jens von Schlichting rät zu einer allumfassenden gemeinschaftlichen Lösung. So ist es nicht nur die Aufgabe der oder des Einzelnen, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, sondern auch Arbeitgeber:innen stehen in der Pflicht:

Es liegt ebenso in der unternehmerischen Verantwortung, aufzuklären und Mitarbeitenden entsprechende Angebote zu machen. Schließlich haben Krebserkrankungen erhebliche Auswirkungen auf die betriebliche Gesundheitskultur – Prävention ist auch hier der entscheidende Faktor

Jens von Schlichting

ias PREVENT in Frankfurt/Main

So können Unternehmen beispielsweise dafür sorgen, dass in der Firmenkantine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Gerichte auf dem täglichen Speiseplan stehen und den Arbeitsplatz bewegungsfreundlich durch die Integration von Bewegungspausen gestalten. Manche Unternehmen bieten zusätzlich eine Vergünstigung zum Fahrradverleih bzw. Job-Bikes an oder bezuschussen Fitness-Abonnements, was Mitarbeitende zusätzlich motiviert, etwas für ihre Gesundheit vor oder nach der Arbeitszeit zu tun. Mit gezielten Vorsorgeangeboten und einer professionellen Aufklärung, beispielsweise durch die ias PREVENT, können Unternehmen die Gesundheit und Produktivität ihrer Mitarbeitenden nachhaltig stärken und Krebserkrankungen vorbeugen. Zudem spielt die voranschreitende Erforschung der Epigenetik eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung personalisierter Präventionsstrategien.

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