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Wir müssen reden! Führung im Neuen Normal

Führung aus der Ferne und über digitale Medien schafft neue Herausforderungen. Im Interview dazu berichtet Oliver Meltz, warum Kommunikation ein Schlüssel für gelingende Führung ist und welche Chancen sich jetzt für Führungskräfte ergeben

New Normal

Führungskraft, Arbeit, Laptop, Illustration

Herr Meltz, warum ist gute Kommunikation in diesen Zeiten besonders wichtig, und wie haben sich die Anforderungen an Führungskräfte geändert?

Menschen wünschen sich Informationen, um mit mehr Sicherheit durch die Krise zu gehen, und emotionale Unterstützung, um sich für die Krise zu stärken. Im Homeoffice fallen sowohl etablierte Kommunikationskanäle als auch gemeinsame Routinen weg. Eine Führungskraft kann aber auch nicht wie gewohnt durch die Räume ihrer Abteilung gehen und so erspüren, welche Stimmung in der Luft liegt. Daher braucht es eine bewusste Beschäftigung mit der Frage, wie gute Kommunikation unter diesen Umständen gelingen kann.

Was ist gute Kommunikation?
Sie passt zu den Erfordernissen! In einer Organisation wirken Menschen zusammen, um Ziele zu erreichen. Den dafür nötigen Austausch sicherzustellen, ist Führungsaufgabe. Gute Kommunikation sorgt auch dafür, dass sich Menschen in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen und in ihren Rollen wertgeschätzt fühlen. Sie schafft ein Wir-Gefühl, das motiviert und Einsamkeit vorbeugt.

Oliver Meltz, Kompetenzfeldleiter Arbeitspsychologie, ias

Voraussetzungen für gute Kommunikation zu schaffen, ist Führungsaufgabe.

Oliver Meltz

Arbeitspsychologe und Kompetenzfeldleiter bei der ias-Gruppe

Und was passiert, wenn gute Kommunikation fehlt?
Fehlen Informationen, entsteht Frustration: Aufgaben können nicht richtig bearbeitet werden, Projekte verzögern sich und es kommt zu Ressourcenverschwendung, weil etwa doppelt gearbeitet wird. Rein sachbezogene Kommunikation, die emotionale Themen ausspart, birgt Konfliktpotenzial. Zufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit sind dann in Gefahr.

Wie können Führungskräfte eine gute Kommunikationskultur etablieren?
Sie sollten Kommunikation als eine Führungsaufgabe begreifen. Da Kommunikation zu Aufgaben und Kultur eines Teams passen muss, empfiehlt sich eine Reflexion darüber, was gute Kommunikation im speziellen Umfeld ausmacht.
Ein Kommunizieren über Kommunikation (Metakommunikation) kann verschiedene Perspektiven abgleichen. Die Informationen müssen dann in Strukturen und Abläufe übersetzt werden. Dabei geht es um Kommunikation zwischen Führungskraft und Team sowie innerhalb des Teams. Für beides braucht es Raum und Ressourcen.


Digitale Kommunikation bringt neue Herausforderungen für Führungskräfte. 

 

Was sind die Zeichen dafür, dass mehr Kommunikation gefordert wird?
Beschäftigte, die um mehr Abstimmung oder Informationen bitten. Dringend mehr Kommunikation bedarf es auch, wenn ein Team seine Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllt oder sich Spannungen abzeichnen.

Gibt es auch ein Zuviel an Kommunikation und woran lässt sich das erkennen?
Ja, das gibt es. Ein Beispiel: Im schon lange eingespielten Team von Sachbearbeitern mit klaren Zuständigkeiten besteht weniger Abstimmungsbedarf als in der frisch gegründeten Kreativabteilung. Ruft die Führungskraft des Sachbearbeiter-Teams jeden Tag jeden Mitarbeiter an, um den Stand der Dinge abzufragen, kann das als übergriffig wahrgenommen werden. Dagegen hilft, die Motivation hinter einem Anruf zu erklären (Fürsorge vs. Kontrolle). Gemeinsam abzugleichen, wie sich beide Seiten die Kommunikation unter den neuen Arbeitsbedingungen vorstellen, ist daher zu empfehlen.

Was hat Kommunikation mit gesunden Mitarbeitern zu tun?
Die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren, hat maßgeblichen Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Als Führungskraft eines auch virtuell zusammenarbeitenden Teams ist der bewusste Einsatz von Kommunikation zudem erforderlich, um der Fürsorgepflicht nachkommen und für die Gesunderhaltung der Mitarbeiter ein treten zu können.

Wie lernt man gute Kommunikation?
Lauscht man dem Vortrag eines begnadeten Redners, entsteht vielleicht der Eindruck, gute Kommunikation sei eine Kunst. Ich aber empfehle Führungskräften, die gut kommunizieren möchten, Kommunikation als Handwerk zu begreifen, das erlernt werden kann. Der Redner wäre dann nicht begnadet, sondern geübt. Die Grundlagen guter Kommunikation vermitteln wir als Arbeitspsychologen beispielsweise in Workshops, Seminaren oder Einzelcoachings.

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Dieses Interview ist in dem ias-Kundenmagazin impulse erschienen, das Sie als ePaper abonnieren können.

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